Im Sprachen-Wettbewerb „Mehr Sprachen-Mehr Wir“ treten Schülerinnen und Schüler mit zweisprachigen Reden an, in denen sie zwischen Deutsch und einer weiteren Sprache wechseln. Zu ausgewählten Themen sollen die Vielfalt an Sprachen und der besondere Blick mehrsprachiger Jugendlicher auf die Gesellschaft zum Ausdruck kommen. In der Mehrsprachigkeit liege ein noch immer gering geschätzter Schatz an Wissen, an Erfahrung und Lebendigkeit. „Es wird Zeit, dass wir diese Sprachenvielfalt wertschätzen und fördern – sowohl in der Schule als auch in der Gesellschaft“, erklärt Reem Alabadi-Radovan, ehemaliger Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Mehrere Sprachen zu sprechen erweitere den eigenen Horizont und stärke das Miteinander, die Basis für demokratisches und friedliches Zusammenleben.
240 Jugendliche und junge Erwachsenen nahmen im laufenden Schuljahr an dem Wettbewerb teil. 40 Sprachen waren neben Deutsch in den engagierten Reden zu vernehmen, darunter auch seltener gehörte wie Isländisch, Mandarin, Aserbaidschanisch oder Japanisch. Erstmals war in diesem Schuljahr die Gemeinschaftsschule Marpingen mit am Start. Jessica Müller, Deutschlehrerin in der Oberstufe und Leiterin der Kultur-AG, motivierte ihre Schülerinnen und Schüler der Stufe 12, sich zu bewerben, und begleitete sie auch in der Umsetzung ihrer Ideen. Bahaa Al Ghazzawi reichte seine Rede als Video und transkribiert als Text im Herbst 2025 ein und war selbst - wie auch seine Mitstreiter - überaus überrascht davon, dass die Jury ihn zu einem der drei Bundessieger der Klassenstufen 11-12 kürte. „Was gibt mir Orientierung?“, lautete seine Ausgangsfrage, seine Antwort war: „Ich wollte verstehen, die Menschen, ihre Worte, ihr Leben hier“, fährt er fort. Er selbst kam im Alter von sechs Jahren aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Deutschland. Mit seinem Engagement und seiner Offenheit für die Sprache und Kultur schaffte es der heute 18jährige Oberstufenschüler der Gemeinschaftsschule Marpingen, dass sich das anfangs fremde Land in seine Heimat verwandelt hat. „Arabisch ist meine Wurzel“, betont er in seiner Rede in seiner Muttersprache, „Deutsch ist der Schüssel zu meiner Zukunft“, fährt er fort. Neben seiner Familie seien es diese beiden Sprachen, die ihm Orientierung geben, und er schließt seine Rede mit der Hoffnung, dass wir alle lernen, uns gegenseitig besser zu verstehen und einander zuzuhören.
Am 16. Dezember erfolgte die Siegerehrung im Rahmen eines Online-Events, das von Berlin aus organisiert wurde. Professionelle Unterstützung vor Ort erhielt die Gemeinschaftsschule Marpingen vom digitalen Support-Team des Landkreises: Videoübertragung, Webcam und Ton waren reibungslos aufeinander abgestimmt. Vor der eigentlichen Ehrung gratulierte auch die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Jessica Heide, von Saarbrücken aus dem Bundessieger aus Marpingen. Auch die Landtagsabgeordnete Reka Klein, selbst ehemalige Schülerin der Gemeinschaftsschule, wurde vom Landtag zugeschaltet. Sie betonte die Bereicherung der Gesellschaft durch Mehrsprachigkeit und würdigte Bahaas Rede als besonderen Beitrag für das gegenseitige Verständnis. Bahaa selbst kam während der anschließenden Siegerehrung mehrmals zu Wort, seine Rede wurde in zahlreichen Ausschnitten eingeblendet. Natürlich macht ein solcher Preis auch stolz. Für Bahaa ist es ein ganz großer Moment in seinem jungen Leben, beim Vortrag trägt er ein weißes Hemd mit schwarzer Weste und Krawatte. Die Auszeichnung ist für ihn die Bestätigung dafür, dass sich Offenheit und Anstrengung lohnen. Und dass Mehrsprachigkeit die Möglichkeit eröffnet, dass aus „dem Ich und Du ein Wir wird“, wie er auch seine Rede enden lässt.
Zum Hintergrund:
15% aller deutschen Haushalte sind zwei- bzw. mehrsprachig, der Anteil unter Kindern und Jugendlichen liegt sogar noch weitaus höher. Der bundesweite Schulwettbewerb „Mehr Sprachen-Mehr Wir“ wird seit 2024 durchgeführt. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7-12 erarbeiten in drei Altersgruppen jeweils eine mehrsprachige Rede zu vorgegebenen Themen und präsentieren diese in Form einen Videos. Text und Vortrag werden dann von einer Jury aus Fachleuten beurteilt. Die Basissprache der Reden ist Deutsch, ergänzt entweder durch die eigene Muttersprache oder durch eine erlernte Zweitsprache bei Schülerinnen und Schülern, deren Erstsprache Deutsch ist. Initiiert von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und gefördert von der Bundesregierung, möchte der Wettbewerb auf das gesellschaftliche Potential dieser Mehrsprachigkeit aufmerksam machen. Videos der Gewinner und weitere Infos auf Instagram @mehrsprachen_mehrwir und www.mehrsprachen-mehrwir.de.
