Für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 11 ist das Sozialpraktikum ein fester Bestandteil des Stundenplans der Gemeinschaftsschule Marpingen. Üblicherweise wird im März für zwei Wochen die Schulbank mit einer sozialen Einrichtung getauscht, um fürs Leben zu lernen: Dabei geht es um Empathie, Einfühlungsvermögen und um das Reflektieren der gemachten Erfahrungen. Für die meisten ist es der erste intensive und bewusste Kontakt mit Menschen, die wegen ihrer körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen auf Unterstützung angewiesen sind. „Die Special Olympics, die im Juni im Saarland stattfanden, waren für uns eine tolle Gelegenheit, das Sozialpraktikum 2026 anders zu gestalten“, erklärt Vera Hahnen, Koordinatorin der Schulleitung. „Zumal ein Teil der sportlichen Großveranstaltung am nahen Bostalsee stattfand“. An den sechs Wettkampftagen waren daher die 65 Jugendlichen der Stufe 11 an den Strandbädern Bosen und Gonnesweiler beim Freiwasserschwimmen, Beachvolleyball, Segeln und im Triathlon eingesetzt.
Bereits am 12. Juni begleiteten einige von ihnen zusammen mit den Sportlehrern Christian Jung und Ralf Junk den Fackellauf vom Bostalsee zum Schaumberg und waren in der Verpflegungsstation für die Fackel-Trägerinnen und Träger eingesetzt. Bei den eigentlichen Wettkämpfen, die zwischen dem 15. und 20. Juni stattfanden, galt es dann, u.a. die Versorgung der Athletinnen und Athleten zu sichern. „Bei einem inklusiven Sportfest hat man auch immer ein Auge auf die Teilnehmer, v.a. als es im Laufe der Woche ziemlich heiß wurde und man immer mit ausreichend Wasser zur Hand sein musste“, erklärt Amelie, die im Catering eingesetzt war. „Da muss man auch mal eine größeren Leerlauf überbrücken“, meint Anna. Dabei half der Austausch mit anderen Volunteers, die aus ganz Deutschland angereist waren. Flora blieb v.a. die Motivation und das Engagement bei den Wettkämpfen in Erinnerung. Auch wenn sie eher in der Organisation tätig war, beeindruckte sie doch die Leistungen der SportlerInnen. „Alle waren mit ganzen Herzen dabei und stolz, zeigen zu können, was sie draufhaben.“ Tamino war mit seinem SUP mitten auf dem See eingesetzt. Er sicherte als Streckenposten das Freiwasserschwimmen ab und war als Motivator gefragt. Auch beim Beachvolleyball feuerten Miraslau, Aaron und ihre Mitschüler die Mannschaften an, bereiteten bei z.T. sengender Hitze darüber hinaus die Spielfelder vor und kümmerten sich auch darum, dass die Bälle gleich wieder im Spiel waren. „Die sechs Tage bei den Special Olympics waren einen gute Gelegenheit, mit Klischees aufzuräumen“, fassen Lena, Elias, Flora und Elisabeth ihre Erfahrungen zusammen. „Menschen mit Beeinträchtigungen erbringen im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch unglaubliche Leistungen - ohne verbissen zu sein oder in einen Konkurrenzkampf einzusteigen“, ergänzt Anna. Dimitry berichtet von seinen Erfahrungen bei den Segelwettbewerben: „Wir gehen davon aus, dass man mit Enttäuschungen umgehen oder sich eigenständig in einem fremden Umfeld orientieren kann. Doch das war für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Special Olympics eine große Hürde.“ Deshalb sei es wichtig gewesen, dass immer ein Ansprechpartner da war. „Auch wenn sich die zuweilen sehr vielen Helfer manchmal in den Füßen gestanden haben.“
Für eine Woche waren die Marpinger Schülerinnen und Schüler Teil einer engen Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, wobei am Ende gar nicht mehr das jeweilige Handicap im Mittelpunkt stand, sondern die Anerkennung der ganz individuellen Leistung. Auf diese Weise konnten sie auch Vieles über sich, das Leben und andere lernen, was sich so in keinem schulischen Lehrplan wiederfindet.

