Zwischen dem Saarland, der Westpfalz und dem lothringischen Bitscher Land liegen am Ufer der Schwalb zahlreiche idyllische Wassermühlen, u.a. die Moulin Arnet im typischen Lothringerdorf Volmunster. Wenn auch die Hauptmühle heute außerhalb der Ortschaft liegt, ist die historische Mühle in der Ortsmitte weiterhin funktionstüchtig und wird von der Familie Arnet zu Demonstrationszwecken und als Boutique betrieben: Hier kann der Müller noch immer selbst das Getreide der lokalen Ackerbauern mahlen, hier verkauft die Müllerin noch selbst das Roggen- und Weizenmehl. Auch alte Getreidesorten wie Dinkel und Einkorn sowie weitere Produkte lokaler Hersteller finden sich im Angebot. Dieser Katzensprung über die Grenze gleicht damit einer Reise in frühere Zeiten, als es noch keine Industriemühlen oder Diskounter gab, deren Mehl und Backwaren ihren lokalen Bezug weitgehend verloren haben.
Für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 5 der Gemeinschaftsschule Marpingen war dies einen Besuch wert, den sie auf Einladung ihrer Austauschpartner des Collège Jean-Jacques Kieffer in Bitche Anfang Mai unternahmen. Zu den interessanten Eindrücken in der Mühle kam der Kontakt mit Gleichaltrigen aus Lothringen hinzu. So konnten sie zugleich auch die erworbenen Kenntnisse in Französisch anwenden. Im Dezember 2025 waren die Fünft-Klässlern aus Bitche zum St-Wendeler Weihnachtsmarkt gekommen und diese revanchierten sich nun mit dem außergewöhnlichen Besichtigungsprogramm in der Getreidemühle: Die Familie Arnet gab der deutsch-französischen Gruppe ausführliche Informationen über die Funktionsweise der Mühle. Auf großes Interesse stieß das vom Wasser der Schwalb betriebene Schaufelrad. In dieser Ecke Lothringens ist der dem Pfälzischen ähnliche Dialekt noch weit verbreitet, sodass es allen möglich war, den in Französisch und Deutsch gegebenen Erklärungen zu folgen. Auch der Ablauf des Mahlens und Siebens des Getreides konnte live verfolgt werden. Höhepunkt war das gemeinschaftliche Backen kleiner Brioches in verschiedenen Backformen vom Bär, Fisch bis zur Eule. Dabei wurden auch viele neue Begriffe der französischen Sprache erlernt, und auch die lothringischen Schülerinnen und Schüler hatten ihren Spaß mit neuen Vokabeln wie dem „Förmchen“ oder dem „Hefezopf“. Verputzt waren die selbst gebackenen Küchelchen dann recht flott, zumal die anschließende Schnitzeljagd durch die Wiesenlandschaft um Volmunster unter dem Motto „Natur erkunden, Rätsel lösen und kleine Experimente durchführen“ ordentlich Appetit machte.
Alles zusammen förderte dieser Besuch ganz erheblich den Austausch zwischen den jungen Französinnen, Franzosen und Deutschen. Begeistert äußerten sich les filles et les garçons, die Mädchen und Jungen auch über das abwechslungsreiche Programm und den unterhaltsamen Kontakt mit der Partnerschule aus Frankreich bzw. Deutschland. So manche Freundschaft bahnte sich an, verbunden mit der Offenheit und dem Interesse an den lothringischen und saarländischen Nachbarn, an der französischen und deutschen Sprache. Selbstverständlich wird der Austausch auch im kommenden Jahr fortgesetzt und vertieft werden. Was das Programm angeht, so hat man sowohl in Marpingen als auch in Bitche schon konkrete Ziele im Auge, die noch mehr Lust aufs Sprachenlernen machen.

